27.05.2019

Inklusions-Vorzeigepartnerschaft für Osnabrück

Zoo Osnabrück eröffnet „Toilette für alle“ für Menschen mit hohem Pflegebedarf

Der Zoo Osnabrück geht einen weiteren bedeutenden Schritt für mehr Barrierefreiheit. Als erste Freizeiteinrichtung der Region hat der Zoo eine „Toilette für alle“ für Besucher mit hohem Pflegebedarf eröffnet. Möglich gemacht hat dies ein in dieser Form sicherlich bundesweit einzigartiges Inklusions-Netzwerk in Osnabrück.

Ab sofort gibt es im Zoo Osnabrück eine „Toilette für alle“ mit Pflegeliege und mobilem Lifter realisiert dank eines besonderen Netzwerkes. Vorgestellt wurde das neue Angebot von Reinhard Sliwka (Zoopräsident), Kai Schaupmann (Firma Joh. Wolfgang Fischer), Thorsten Vaupel (stellv. Zooinspektor), Heiner Böckmann (Geschäftsführer Heilpädagogische Hilfe Osnabrück), Timo Bußmann (Vertriebsleiter Firma Gehrmeyer) und Thomas Schmidt-Benkowitz (stellv. Vorstandsvorsitzender Lebenshilfe Osnabrück).

„Der Zoo ist ein Teil der Gesellschaft, an dem jeder teilhaben soll“, betonte Zoopräsident Reinhard Sliwka in seiner Begrüßung. „Wir wissen, dass eine große Anzahl mobilitätseingeschränkter Menschen uns gerne besucht. Dennoch gibt es auch Menschen, für die ein Tagesausflug bislang beschwerlich oder sogar unmöglich war.“ Für Menschen mit hohem Pflegebedarf fehlte bislang insbesondere eine Liegemöglichkeit für die spezielle Pflege wie den Windelwechsel. „Ich bin sehr dankbar, dass es uns dank einer großartigen partnerschaftlichen Unterstützung gelungen ist, diese ‚Toilette für alle’ installieren zu können.“

Elektrische Pflegeliege und mobiler Lifter

Auf einer Fläche von 14 m2 wurde ein ehemaliger Tierpflegerraum am Giraffenspielplatz zu einem Pflegeraum umgebaut. Kernstück ist eine elektrisch höhenverstellbare Pflegeliege, für den Transfer vom Rollstuhl auf die Liege und zurück steht ein mobiler Lifter zur Verfügung. „Auch das Waschbecken ist unterfahrbar“ ergänzt der stellvertretende Zooinspektor Thorsten Vaupel, der den Umbau geleitet und vorangetrieben hat. Vaupel freut sich besonders über die erfolgreiche Umsetzung des Projektes. „Wir hatten in der Vergangenheit immer wieder Anfragen, ob ältere Kinder oder Erwachsene im Zoo gewickelt werden können. Das ist jetzt endlich möglich.“ Besuchern, die das Angebot nutzen möchten, empfiehlt der stellvertretende Zooinspektor aus hygienischen Gründen eine Wickelunterlage sowie ein Hebetuch für den Lifter selbst mitzubringen. Der Zahlencode, mit dem die Tür zur Pflegetoilette geöffnet werden kann, ist am Eingang an der Zoo-Kasse erhältlich.

Impulsgeber Lebenshilfe Osnabrück

Der entscheidende Impulsgeber für das Projekt war die Lebenshilfe Osnabrück als Selbsthilfevereinigung für behinderte Menschen und deren Angehörige. „Aus unserer Mitgliederschaft heraus war der Wunsch geäußert worden, dass eine spezielle Pflegetoilette den beliebten Zoobesuch enorm erleichtern würde“, berichtete Thomas Schmidt-Benkowitz, stellvertretender Vorsitzender der Lebenshilfe Osnabrück. „Als wir den Zoo darauf angesprochen haben, sind wir offene Türen eingerannt“, so Schmidt-Benkowitz weiter, der dem Zoo als weitere Lebenshilfe-Unterstützung die Kostenübernahme für die Pflegeliege zusicherte.

Einzigartiges Inklusions-Netzwerk

Für die Umsetzung der Idee fanden sich in den Reihen der langjährigen Zoo-Partner sofort weitere Unterstützer. Die Joh. Wolfgang Fischer GmbH aus Osnabrück übernahm im Rahmen eines Sachsponsorings die Sanierung und Erneuerung der Leitungen und Rohre mitsamt Sanitärinstallation. „Als wir von diesem ganz besonderen Projekt gehört haben, haben wir unsere Unterstützung sofort zugesagt“, sagte Geschäftsführer Kai Schaupmann. Als vierter Partner kam die Firma Gehrmeyer, Zentrum für Orthopädie und Rehatechnik, zum einzigartigen Inklusions-Netzwerk dazu und steuerte den mobilen Lifter bei. „Auch für uns war sofort klar, dass wir mit dabei sind“, ergänzte Timo Bußmann, Vertriebsleiter der Firma Gehrmeyer.

Nachahmer gesucht

„Wir hoffen natürlich, dass dieses großartige Inklusions-Projekt viele weitere Nachahmer in der Region und darüber hinaus findet“, betonte Zoopräsident Reinhard Sliwka. „Wir sind jedenfalls schon von weiteren überregionalen Freizeiteinrichtungen angesprochen worden, die sich bei uns erkundigt haben, wie wir das Projekt auf die Beine gestellt haben.“ Thomas Schmidt-Benkowitz dankte allen Beteiligten für das vorbildliche Engagement. „Der Inklusionsgedanke ist auch zehn Jahre nach Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention leider noch nicht so fest in der Gesellschaft verankert wie wir uns das wünschen würden. Von diesem vorbildlichen Projekt können wir alle viel lernen.“

Hintergrund „Toiletten für alle“

Die Stiftung „Leben pur“ setzt sich dafür ein, dass es bundesweit an öffentlichen Orten mehr „Toiletten für alle“ gibt – und orientiert sich dabei an Ländern wie z.B. Großbritannien, wo „Toiletten für alle“ durch entsprechende DIN-Normen inzwischen gängiger Standard geworden sind. Mehr Informationen unter:

www.toiletten-fuer-alle.de

www.stiftung-leben-pur.de

www.changing-places.org

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