Die Lebenshilfe Osnabrück begrüßt die aktuelle Diskussion über die Zukunft der Stadtbibliothek und die geplante Einrichtung einer neuen Kinderbibliothek in der Osnabrücker Innenstadt. Zugleich erinnert die Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Behinderung und deren Angehörige daran, dass moderne Bibliotheken weit mehr sind als Orte der Medienausleihe: Sie sind Begegnungsräume, Bildungsorte und wichtige Bausteine für gesellschaftliche Teilhabe.
Das Forum Groningen, ein Treffpunkt für alle, könnte als Vorbild dienen für einen inklusiven Begegnungsort in Osnabrück (© Marco Hörmeyer).
Bereits im September 2025 hatte sich die Lebenshilfe öffentlich für ein „Haus des Wissens“ beziehungsweise einen sogenannten „Dritten Ort“ ausgesprochen und dessen Bedeutung als „Inklusions-Motor“ hervorgehoben. An dieser Position halte man ausdrücklich fest, betont der Vorsitzende der Lebenshilfe Osnabrück, Thomas Schmidt-Benkowitz. „Die aktuelle Debatte zeigt, dass viele Menschen verstanden haben, welches Potenzial moderne Bibliotheken für das gesellschaftliche Miteinander haben können“, erklärt Schmidt-Benkowitz. „Gerade deshalb ist es wichtig, das Thema Inklusion jetzt nicht aus dem Blick zu verlieren. Ein ‚Dritter Ort‘ muss von Anfang an so gedacht werden, dass wirklich alle Menschen ihn nutzen können.“
Offene Begegnungsorte schaffen
Die Lebenshilfe verweist dabei auf internationale Beispiele wie das „Dokk1“ im dänischen Aarhus, das „Oodi“ in Helsinki oder das „Forum Groningen“. Diese Einrichtungen zeigten eindrucksvoll, wie offene Bildungs- und Begegnungsorte Menschen zusammenbringen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Behinderung. „Solche Orte schaffen Begegnung ohne Konsumzwang. Sie fördern Bildung, kulturelle Teilhabe und soziale Kontakte. Gerade Menschen mit Behinderung und ihre Familien brauchen solche niedrigschwelligen Räume in einer Stadt“, so Schmidt-Benkowitz weiter.
Barrierefreiheit von Beginn an mitdenken
Die geplante Kinderbibliothek könne deshalb ein wichtiger Schritt sein. Entscheidend sei jedoch, dass Barrierefreiheit und inklusive Nutzbarkeit von Beginn an konsequent mitgedacht werden. Dazu gehörten neben baulicher Barrierefreiheit auch Orientierungssysteme, Rückzugsräume, digitale Zugänglichkeit und sogenannte „Toiletten für alle“ für Menschen mit komplexen Behinderungen. „Inklusion darf kein nachträglicher Zusatz sein, sondern muss Grundlage jeder Planung werden“, betont der Lebenshilfe-Vorsitzende. „Die Frage darf nicht lauten: Kinderbibliothek oder Haus des Wissens? Entscheidend ist vielmehr, wie Osnabrück insgesamt mehr Orte schaffen kann, an denen sich Menschen willkommen fühlen und gesellschaftliche Teilhabe erleben.“
Die Lebenshilfe Osnabrück bietet erneut an, ihre Erfahrungen und die Perspektiven von Menschen mit Behinderung aktiv in die weiteren Diskussionen und Planungen einzubringen. „Wenn Osnabrück den Mut hat, moderne Bibliotheken als Orte der Begegnung und Teilhabe zu verstehen, dann kann daraus ein echtes Zukunftsprojekt für die gesamte Stadtgesellschaft entstehen“, so Schmidt-Benkowitz.
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