Die etwas andere Einweihungsparty

„Begehung und Begegnung“ in der selbstbestimmten WG am Sedanplatz

Was für eine Einweihungsparty! Eine buntgemischte Gästeschar aus Verwandten, Nachbarn, Freunden und Projekt-Partnern, geladenen Gästen und spontanen Besuchern steht munter plaudernd im langen Flur. Mittendrin die Gastgeber – fünf junge Männer zwischen 22 und 27 Jahren und ihre Eltern, auf deren Initiative die selbstbestimmte WG im Gebäude der Sparkasse am Sedanplatz gegründet wurde. Gemeinsam führen sie die Gäste durch die Räumlichkeiten, berichten stolz und zufrieden von ihren Erfahrungen und erklären bei einem Snack am kalten Buffet, wie aus der Suche nach einer geeigneten Wohnform ein passendes Zuhause wurde.

Eingeladen hatten die Elterninitiative und die WG-Bewohner zur „Begehung und Begegnung“. Sie wollten zeigen, wie gut sich die „etwas andere WG“ in den vergangenen Wochen entwickelt hat. Die Veranstaltung sollte die WG in der Nachbarschaft bekannt machen, andere Eltern zu ähnlichen Projekten ermutigen und ein Dankeschön für die Unterstützer sein. Deshalb waren Vertreter der beteiligten Partner – die Sparkasse als Inhaber des Hauses, das Stephanswerk als Vermieter und Verwalter, die HHO als Erbringer der Assistenzdienstleistungen und die Lebenshilfe als Unterstützer und Hauptmieter der Räume sowie Verantwortliche der Stadt Osnabrück – ebenso eingeladen wie Freunde, Angehörige und Nachbarn, also die Studierenden, welche die übrigen Wohnungen im Haus am Sedanplatz bewohnen.

„Das ist cool!“

Zwei junge Frauen aus der Nachbarschaft bereicherten das ohnehin schon üppige Buffet um einen großen Teller mit vielen kleinen Kuchen: „Muffins gehen immer“, lacht die Studentin, die im Stockwerk über der selbstbestimmten WG wohnt. Noch kennen die Hausbewohner einander kaum, stellt sie bedauernd fest, man begegne sich vor allem im Treppenhaus: „Etwas mehr Kontakt wäre schon schön. Aber vielleicht ist das hier ja ein guter Anfang“, sagt die junge Frau, als auch noch zwei junge Männer hinzustoßen. Auch sie bestätigen, dass es bislang wenig Nachbarschaftskontakte gebe. Dann schauen sie sich um: „Die Leiste mit den Bildern ist toll, wir haben einfach Nägel in die Wand gehauen“, so der Kommentar zur Bilderleiste im Flur, an der die Werke von Theo und Jonas aufgehängt sind.

„Es ist gut, wie es ist!“

Deren Eltern berichten ebenso wie die Eltern der anderen WG-Bewohner währenddessen den interessierten Gästen von ihren Erfahrungen in den letzten Wochen. „Es ist schon etwas leiser und leerer zu Hause. Aber es ist auch entspannter. Und wir sind froh und erleichtert, dass Lukas sich sonntags nachmittags schon wieder freut, hierher zurück zu kommen – auch wenn das ein bisschen wehmütig macht. Es ist gut so, wie es jetzt ist “, sagt zum Beispiel die Mutter von Lukas. Die anderen Eltern erzählen Ähnliches. Sie alle erleben jetzt ein Stück Normalität, mit dem einige von ihnen vielleicht gar nicht gerechnet hätten: Der Sohn ist aus dem Haus! Er lebt in einer WG – genauso wie die gleichaltrigen Kinder im Freundeskreis, die zum Beispiel zum Studium in eine andere Stadt gegangen sind. Doch während deren Eltern meist nur eine Elternbürgschaft übernehmen müssen, haben die Eltern aus der Initiative einen langen Kampf mit dem komplizierten System aus Pflegeleistungen, Eingliederungshilfe, Unterstützung zum Wohnen und anderen Fördertöpfen hinter sich. „Aber es hat sich gelohnt“, ist sich Manfred Müller, Sprecher der Elterninitiative und Mitglied des Lebenshilfevorstands sicher. Zumal die Elterninitiative bei den Partnern viel Unterstützung erfahren habe.

„Jede WG ist anders!“

„Das ist schon eine echte Erfolgsgeschichte“, findet auch Margret Gödecker von der HHO Wohnen gGmbH. Auch wenn der letzte Bewohner noch nicht eingezogen sei, beweise die Zufriedenheit der Fünf, dass auch Menschen mit einem höheren Unterstützungsbedarf in einer selbstbestimmten WG (SBWG) leben könnten. „Jede SBWG ist anders“, erklärt ihre Kollegin Petra Herkenhoff-Koopmann. „Aber mit den entsprechenden Assistenzleistungen ist vieles möglich.“ Damit alles passend auf die Bedürfnisse der Bewohner und die gesetzlichen Voraussetzungen abgestimmt werden konnte, hat Margret Gödecker die Elterninitiative auf ihrem Weg unterstützt. Sie weiß, dass sich nicht nur die Bewohner in der WG wohlfühlen, sondern auch ihre Kolleginnen und Kollegen vom siebenköpfigen Assistenz-Team der HHO. „Sie alle arbeiten gern hier und erzählen immer, wieviel Spaß es macht und welche tolle Entwicklung die Bewohner schon in den letzten Wochen gemacht haben.“

„Komm rein!“

Diese nehmen den Ansturm auf ihr neues Zuhause mit erstaunlicher Gelassenheit und Offenheit hin. Kommunikation ist aufgrund ihrer Einschränkung nicht unbedingt ihre große Leidenschaft. Umso erstaunlicher, dass sie die Besucher auch in ihre Zimmer einladen. „Komm rein!“ ruft Jonas Finn, als einer der Nachbarn sich mal seinen großen Fernseher ansehen möchte. Im Zimmer gegenüber bestaunen die Gäste von Jonas gerade sein Selfie-Poster mit Florian Silbereisen. Auch Theo führt die Besucher durch die Wohnung – auf seine Art: Wortlos und doch einladend und eindrücklich zeigt er seine Bilder im Flur, weist auf sein Lieblingsposter über dem Bett hin und verabschiedet einen Freund mit einer herzlichen Umarmung.

„Das wünschen wir uns auch!“

Dessen Mutter sieht sich ungläubig um, so als könne sie nicht fassen, dass eine WG wie diese möglich ist. Sie spricht mit den Eltern, lässt sich das Gästezimmer zeigen, in dem auch nachts immer eine Assistenz anwesend ist. Bereits am Vortag hat sie sich bei der Mitgliederversammlung der Lebenshilfe mit einer anderen Mutter lange und intensiv über das Thema unterhalten. Auch diese kommt mit Mann und Tochter zur „Begehung und Begegnung“, auch sie ist beeindruckt: „So etwas wünschen wir uns auch!“, sagt sie nach dem Rundgang. Und so hat die etwas andere Einweihungsparty nicht nur Spaß, sondern auch Mut gemacht.

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